Usual Suspects News 2011

Deutsche Meisterschaft 2011: Von Plan A zu Plan D

(04.September 2011)

Das diesjährige "Heimspiel" auf der DM in Calden war das erklärte Saisonziel für die Usual Suspects. Der Trainingsplan war daraufhin ausgerichtet und trotz im Vergleich zu 2010 verminderten Trainingsumfangs (siehe Artikel "Saisonplanung") war das Ziel zu Beginn der Saison, die 140 Punkte-Grenze, den "14er Schnitt" zu knacken.

Selbst nachdem uns das ja auf der Norddeutschen, dem ersten Wettbewerb 2011, bereits gelungen war, haben wir das Ziel nicht automatisch erhöht. Bestätigen hieß die Devise, verbunden mit der unausgesprochenen Hoffnung, auf die 14,1 noch ein paar Zehntel drauflegen zu können.

Die Geschichte von Plan D:

Bereits im ersten Freiluft-Training Anfang Mai wurden wir in Ampuriabrava von Verletzungen geplagt. Für die Zeit danach hatten wir eigentlich gedacht: schlimmer kann es nicht kommen.

Doch es kam schlimmer.

Nach dem Training in Juli mußte Katha für den Rest der Saison die Segel streichen. Plan B war - wie so oft in diesen Fällen - der Trainer, unser Hayabusa Luc Verstrepen. Das paßte in sofern gut, als daß er selbst in keinem anderen Team für die DM gemeldet hatte, weil er ja Belgier ist.

Mit Luc haben wir 2011 ca. 75 Trainingssprünge gemacht, und natürlich gab uns das Sicherheit, daß
Plan B gut funktionieren würde. Dann kam Anfang August die Nachricht, daß er beruflich zur DM unabkömmlich sein wird. Na super - Plan C muß her, gibt es noch Optionen? Mehr im Scherz fragte ich Luc, ob nicht einer aus dem aktuellen Hayabusa Team (der belgischen Nationalmannschaft, die vor kurzem Militär-Weltmeister und Vize-WeltCup-Sieger wurde) Lust hätte, für ihn einzuspringen. Luc antwortete nur: "ich frag sie mal".

Tatsächlich war der Hayabusa-Point, Dennis Praet, 21 Jahre jung, 1700 Sprünge und mit Punkteschnitten von 25+ im Logbuch, bereit, sich auf das Abenteuer einzulassen, mit einem Team zu springen, das er nicht kennt und das ca. 10 Punkte langsamer ist, dazu auf der Center-Out Position.

Nach dem letzten August-Training, noch mit Luc, dann der finale Coup gegen die Usual Suspects, als auch Andrea medizinisch bedingtes Sprungverbot bekam. Eigentlich war jetzt alles vorbei und die Motivation, auf der DM noch mitzuspringen, sank zumindest bei mir erheblich. Macht das alles noch Sinn?

An dem Wochenende nach der Hiobsbotschaft kam dann Kai Wolf nach Kassel, ein altes A-Kader Urgestein (sorry, Kai) mit 20000+ Sprüngen (ja, wirklich), der eigentlich nur zu Besuch und für ein paar Behördengänge aus seiner neuen Heimat USA nach Deutschland gekommen war. Mausi, der alte Stratege, lockte ihn gleich nach Calden, denn es gab haufenweise Tandems zu springen. Obwohl ich eigentlich mit dem Thema DM schon abgeschlossen hatte, kamen Bernd und ich überein, mit Kai und Dennis "Plan D" ins Leben zu rufen. Dennis haben wir vorsichtshalber gar nicht gefragt, damit er nicht noch absagt.

Der Wettbewerb:

Was konnte man erwarten von so einem Team? Sicherlich waren wir personell exzellent ergänzt worden, aber das ist im Vierer nun mal nicht alles. Was ist mit dem Exit, Fallrate, Kommunikation, Blocktechnik in und zwischen den pieces? Letztendlich trainiert man in der Gruppe, um genau das zu üben.

Das Team "Plan D" machte immerhin noch 12 Trainingssprünge an den 2 Tagen vor Wettbewerbsbeginn, und die Sprünge gaben Anlaß zur Hoffnung, das es auf Anhieb paßt.

Die Auslosung kam am Dienstagabend heraus, und der erste Sprung gleich ein Hammer: Snowflake-Snowflake aus der Tür, dann noch zwei lange Blöcke, genau das, was ein untrainiertes Team nicht braucht.

Eine ganze Nacht hatte ich Zeit, mir über den Exit Gedanken zu machen, unbegründet, wie sich dann heraus stellte. Mit 13 Punkten hatten wir einen sehr guten Start in die DM, auch wenn die Schiedsrichter einen davon kassierten, eine knappe Geschichte, wie haben die das nur gesehen?

Runde 2 dann der "money maker", der schnellste Sprung des Wettbewerbs. Mit 28 Punkten lagen wir auch hier gut im Feld, knapp hinter den 4 Topteams, auch wenn davon wieder 2 Punkte abgezogen wurden. Das sind halt die Konsequenzen, wenn man nicht aufeinander abgestimmt ist. Im Laufe des Wettbewerbs wurde das dann aber besser und wir waren eigentlich immer auf Platz 5. Sowohl der Rückstand auf 4 als auch der Vorsprung auf 6 wuchsen dabei von Sprung zu Sprung an.

Aber es gab ja auch noch einen unsichtbaren Konkurrenten, den 15er Schnitt. Jawohl, kein Tippfehler. Nach dem ersten Tag und 5 Runden hatten wir bereits 84 Punkte. Fehlten also nur noch 66 zur 150er Marke, ca. 13 pro Sprung. Warum also nicht? Allerdings war der erste Tag der leichtere von den zwei Wettbewerbshälften, es galt also, den Vorsprung von 9 Punkten zu verteidigen.

Das gestaltete sich durchaus schwierig. Runde 6 bis 8 waren sehr technisch, so daß durch Abzüge und brainlocks aus 9 Punkten Vorsprung 1 Punkt Rückstand wurde. Hatten wir doch zu viele dumme Fehler gemacht? Immerhin summierten sich die Abzüge jetzt schon auf 5 Punkte.

In Runde 9 dann die Trendwende. Mit einem super Sprung gelang uns eine 15, nur zwei Punkte schlechter als der High Score von Final Four. Damit waren wir immerhin noch im Rennen, jetzt brauchten wir eine 16 im letzten Sprung, um über 150 zu kommen. Eigentlich ein leichter Sprung (14,K,D,E für die Eingeweihten), aber da war ja noch der Bipole-Bipole Block aus der Tür.

Irgendwie war die Entschlossenheit, diese Aufgabe zu meistern, bei jedem spürbar. Optionen, einen leichteren Hilfsexit zu machen, wurden einstimmig verworfen, und wir rollten den Sprung intensiver als alle anderen, damit es keine brainlocks gibt.

Wir waren viertes von vier Teams im Anflug, und jedes Team vor uns brauchte gefühlte 30 Sekunden dür den Exit. Trotzdem wollten wir keinen zweiten Anflug, let's do it - now! Auch unsere Exit-Aufstellung dauerte dann ewig, der Exit aber war eine Augenweide. Ohne jeden Wackler, dann ein schneller Block auf dem relativen Wind, die Show konnte beginnen.

Das Judging der Finalrunde wurde vor allen Teilnehmern von Mausi live moderiert, nachdem alle Teams gesprungen waren. Mausi informierte das Publikum natürlich über die Ausgangslage, und es war ein Gänsehaut-Erlebnis, wie man uns (bzw. das Video) auf dem Weg zum 16. Punkt anfeuerte. Am Ende war es dann sogar eine 17, bestätigt nach nur einem Durchlauf, geschafft!!!

Bei Platz fünf ist es trotzdem geblieben, denn auch unsere 17 in der letzten Runde wurde von allen Teams über uns getopped. Für uns jedoch war es das Beste, was wir hatten, und wir waren stolz, es abrufen zu können, als es zählte. Mit 151 Punkten erreichten wir somit auch das erhoffte "obere Ziel".

Eine besondere Ehrung erfuhr dann schließlich noch unser Kameramann Erik: Er wurde von den Schiedsrichtern zum besten Kameraflieger des Meets gewählt. Durchaus verdient, vergleicht man seine Videos mit anderen bis hoch zum Deutschen Meister Paratec Saar. Keiner ging so nah ran, lag so steil drüber wie Erik. Hohes Risiko also, aber nicht ein Videobust, weder beim Exit noch im Terminal Speed. Chapeau!

Fazit

Sicherlich hatten Bernd und ich mit Dennis und Kai exzellente Alternates. Dennoch - es waren eben Alternates und viel lieber hätten wir diese Veranstaltung natürlich mit Katha und Andrea bestritten, und ich bin mir sicher, das auch Plan A, die original Usual Suspects, ein hervorragendes Ergebnis abgeliefert hätten.

Eine aufregende Saison geht zu Ende. Jetzt heißt es erst mal Wunden lecken, gesund werden, und sich dann überlegen, wie es weiter gehen kann. Wir werden es abwarten, und wir sind ganz entspannt.

Uwe

Hessische Meisterschaft 2011 oder "Das Wunder von Calden"

(25.Juli 2011)

Eigentlich ist es ja nutzlos, im Zusammenhang mit dem Springen übers Wetter zu reden. Dieses wird bekanntlich am Platz gemacht und insbesondere bei Wettbewerben kann nur der gewertet werden, der auch anreist. Während also Schiedsrichter Exi auf der diesjährigen Hessischen Meisterschaft zwischendurch bemerkte, er könne ja eigentlich auch von zuhause aus schiedsen, wenn man ihm die Videos übers Internet zustellen würde, hatten die Teams nicht diese Freiheit. Sechs Teams hatten ihr Kommen angekündigt, und fünf davon waren am Samstag morgen auch tatsächlich erschienen, allen Wetterberichten zum Trotz und diese waren in der Tat vernichtend!

Zunächst mal unser einziges Intermediate-Team, 4-Motion mit Trainings-Schwerpunkt Eisenach. Sie waren eigentlich gekommen, um Caravan-Erfahrung zu sammeln, wie mir Coach Dieter Schwarz am Vorabend noch telefonisch mitteilte. Auch wenn sie dann doch aus der Otter springen "mußten", blieben sie vor Ort und stellten sich Exis und Mausis unerbittlichen Judegements.

Phos-4 wollte eigentlich trainieren, aber da der Coach noch auf der CISM-WM in Brasilien weilte, entschlossen sie sich kurzerhand, doch den Wettbewerb zu springen.

Tetrachord, mit Captain Reinhard Belter, der es jedes Jahr wieder schafft, ein Team zusammen zu stellen, war das von der Sprunganzahl her unerfahrenste Team und machte in der neuen Besetzung 2011 ihren ersten Wettbewerb. Hoffen wir mal, daß dort in Zukunft ein wenig Kontinuität in der personellen Besetzung einkehrt.

Mimikri ist auch ein ganz neues Team, aber mit sehr viel individueller Erfahrung, bestehend aus Chica-Veteran Mo Thomas, Stonecreek-Veteran Jupp Kampmann und Volker Seitz. Mit Jupp war ich 1997 bereits Baden-Württembergischer Meister, was Jupp wahrscheinlich schon vergessen hat :-) Vierter im Bunde ist Carsten Reese, der jedoch verletzt fehlte, so daß Coach Spieli Spielvogel ein- und mitsprang.

Die Usual Suspects als Titelverteidiger durften natürlich nicht fehlen. Der Wettkampf war ja auch von Anfang an in unserem Kalender, nachdem aber Katha verletzungsbedingt ausgefallen war, gab es natürlich erst mal lange Gesichter. Gesucht wurde also jemand, mit dem das in der Saison mühsam erarbeitete Know-How auch auf dem Wettkampf einigermaßen präsentiert werden kann. Mit Henning Stumpp haben wir dann zum Glück schnell jemanden gefunden, der dieses Kriterium erfüllt und auch sofort zusagte.

Tetrachord, Phos-4 und die Suspects starteten alle für den FSZ Kassel.

Die ebenfalls angemeldeten Final Four mußten schließlich kurz vor dem Wettbewerb auch noch einen Ausfall verkraften und so langsam gingen der deutschen Springerszene wohl die Ersatzleute aus, so daß die Hessische 2011 ohne ihren designierten Favoriten beginnen mußte.

Die Wettervorhersage war so, daß relativ eindeutig zu sein schien, daß wenn überhaupt, wohl nur der Samstag zum Springen in Frage kam. Eigentlich waren schon ab Samstag Mittag Regen und tiefe Wolken angesagt. Dazu ein strammer Wind aus Südwest mit Böen bis 30 Knoten.

In diesem Zusammenhang war es natürlich höchst bedauerlich, daß der schnellste Sprung des Wettbewerbs erst in Runde 10 kommen sollte. Fünf Randoms waren da zusammen gelost worden, aber eigentlich war zu Beginn schon klar, daß wir so weit nicht kommen würden. Da ging er hin, der Traum vom High Score, schon bevor man das erste mal eingestiegen war.

Dazu die Ungewißheit, wieviel Runden es überhaupt geben würde. Nach der Absage von Final Four waren die Suspects ja wieder auf den Favoritenplatz gerückt, aber die Mitwirkung von Spieli bei Mimikri war natürlich Garantie für alle möglichen Psycho-Spielchen und die Möglichkeit, daß es auch ganz anders kommen kann. Vielleicht ein lucky shot in Runde 1, dann Abbruch und schon gewinnt der Außenseiter.

Es galt also, von Beginn an voll konzentriert zu sein. Beim Exit ein anderer Center-Out als sonst, Block 15 (Cat-Cat) auf dem relativen Wind, da kann viel passieren. Aber letztendlich gilt das ja für alle Teams und unsere Leistung in Runde 1 war in Anbetracht der Umstände durchaus gut. Schon mal 3 Punkte Vorsprung ...

Dann wurde der Wind stärker und stärker. Um den Wettbewerb irgendwie am Leben zu erhalten, wechselten wir auf Landezone Yankee und Eddi stellte es den Teams frei, ob sie springen wollen oder nicht. So kam es dazu, daß wir irgendwann bereits drei Runden gesprungen hatten und ein Team noch gar keine. Somit also kurz vor vier Uhr immer noch keine Wertung und eigentlich sollte das Wetter ja noch schlechter werden. Dann jedoch kam "das Wunder von Calden" - die Sonne kommt raus, der Wind läßt nach, und es entsteht so etwas wie ein Sommerabend. Wer hätte das noch gedacht. Mit neuer Motivation gingen die Teams wieder zur Sache und bis zum Flughafen-Schluß um 20 Uhr hatten wir dann fast die Hälfte des Wettbewerbes durch (dreimal 4 und zweimal 5 Runden).

Runde 5 war erstmals ein schnellerer Sprung, den wir, obwohl er letztendlich streng genomen nicht in die offizielle Wertung einfließen kann, da er nicht von allen Teams gesprungen wurde, nutzen konnen, um den Punkteschnitt wenigstens noch über die 13er Schwelle zu hieven. Der Rest ist Konjunktiv, es ist müßig, zu theoretisieren, was über 10 Runden dann heraus gekommen wäre. Aber wieder einmal zeigte sich, daß die Auslosung wesentlich den Lauf der Dinge beeinflussen kann.

Wie dem auch sei, die Usual Suspects lagen nach dem ersten Tag also mit 12 Punkten in Führung, begünstigt durch die Absage von Final Four, die ja hier im Juni schon souverän die Norddeutsche gewonnen hatten. Petra Bärenfänger kam abends immerhin zur Party vorbei, die in Patrick's Geburtstag hinein feierte, und etliche gingen wohl beim Bestellen der Getränke bereits davon aus, daß das Wunder von Calden sich am Sonntag nicht wiederholen würde.

So war es dann auch. Eddi's erste Ansage am Sonntagmorgen war der Abbruch des Wettbewerbes, verbunden mit der Einstellung des Sprungbetriebs für diesen Sonntag, der Rest war Regen, Wind, und 11 Grad. Der Sprungplatz war ganz schnell leergefegt, selbst Eddi, der ja sonst gerne bis Montag morgen bleibt, wollte nur weg.

Trotzdem hat es Spaß gemacht, die Motivation aller Teilnehmer war beispielhaft und mußte demzufolge auch belohnt werden, denn - das Wetter wird am Platz gemacht! Dank Hennings Hilfe haben wir aus der mißlichen Lage noch das beste gemacht und eine für unsere Verhältnisse gute Leistung abgeliefert. Wie es in Richtung Deutsche weiter geht, wissen wir jetzt noch nicht, aber das ist eine andere Geschichte, die erzählt wird, wenn es soweit ist.


Rd.06: 20,M,P,16
Rd.07: N,13,J,5
Rd.08: Q,3,O,18
Rd.09: 1,7,14
Rd.10: D,B,L,H,E

30 Jahre Skydiver, Teil 2 (Sprung Nr. 8811)

(12.Juli 2011)

Vielleicht hätte ich doch nur eine Runde Bier ausgeben sollen.

Da sitze ich nun in der Caravan, belastet mit einem 15 kg schweren Schülergurtzeug, das so groß ist, daß man noch nicht mal bequem sitzen kann, blaue Kombi, Protec (auch blau), beschlagene Sprungbrille, und umgeben von Leuten, die mich anschauen, als ob ich nicht ganz dicht bin, so eine Mischung aus Mitleid und voraus eilender Schadenfreude, falls ich was falsch mache.

Doch der Reihe nach: eine Stunde zuvor habe ich mich mit Jan, Harry, Alex und Bernd getroffen. Alex und Bernd sind extra für diesen Sprung mitten in der Woche angereist, als "fan club", wie Alex in seiner SMS geschrieben hat. Vielen Dank nochmals dafür, Jungs. Jan und Harry sind ein wenig unsicher, was sie denn nun erzählen sollen und was sie weglassen können, da es ja doch nur ein gefaketer AFF-I sein wird. Da ich aber über AFF eigentlich so gut wie nichts weiß, können sie kurz nach dem Hänger-Training beginnen. Jan als primary, Harry als secondary, check-in, check-out, hoch, runter, raus, soweit hab ich es im täglichen Betrieb schon mitbekommen. Aber: linker Fuß vorn, das machen wir im Vierer immer anders, linke Hand auf der rechten, die rechte an den Türrahmen, klein machen, denn das Gurtzeug ist riesig. Nach dem Exit dann der erste "Beobachtungskreislauf": Horizont, Höhenmesser, Höhe durchgeben, erst links, dann rechts. Ich muß an die Galileo-Sendung denken, in der ausgerechnet Jan und Harry fürs Fernsehen getestet haben, ob man im Freifall überhaupt was verstehen kann. Man kann nicht, es ist also wichtig, daß ich sie dabei ansehe. Dann drei Scheingriffe, ich merke am Boden schon, daß der Griff ganz woanders sitzt als bei meinem eigenen Gurtzeug. Nochmal Beobachtungskreis, und nochmal oder auf Handzeichen. Unter 2000 nur noch Höhenmesser anschauen, bei 1600 greifen, bei 1500 pullen, 1-2-3-4-5000, Kappencheck, dann Flugfunk. Es ist windig heute, Mausi wird also alles geben müssen, denn ein normaler AFF-Schüler würde unten bleiben.

Was für ein umfangreiches Programm, und ach ja, es ist kein Hand Deploy, der Griff ist festzuhalten, festzuhalten festzuhalten. Davor habe ich am meisten "Angst", denn die Reaktion der Anwesenden in diesem Fall will ich mir nicht vorstellen.

Steigflug - Jan macht einen super job und findet die richtige Balance zwischen fun und work. In 1500 fragt er, was ich denn hier auf dem Weg nach unten zu tun gedenke (na?), in 3000 dann nochmal das ganze Programm durchsprechen. Dann aufstehen, Ausrüstung gemeinsam checken. Jemand hält es für notwendig, mir zu sagen, die Schülerkappen würden nicht gut flaren, na ja, aber immerhin ist es ein 280er, mehr als doppelt so groß als meine normale Kappe. Wird schon gehen.

Die Tür geht auf. Alex macht das Video, dann unser AFF-Sandwich, hinterher noch Bernd als Sportzeuge. Der Exit ist - soll kein Eigenlob sein, haben bestimmt alles die Lehrer gemacht - spitze, ich mache den ersten Beobachtungskreis und sehe auf dem Höhenmesser 4000 m. Mist, klemmt das Ding etwa? Egal, erstmal Programm, außerdem hab ich ja noch einen am Gurtzeug. Ich gebe die Höhe durch, starte meine Scheingriffe, ab und zu kommt das Zeichen "Beine lang", aber das hatte ich erwartet, denn XS-Körperposition bin ich vor 30 Jahren das letzte mal geflogen. Nach den Scheingriffen noch 3000 m, Höhenmesser geht also doch. Zeit, ein wenig zu Alex und Bernd und in die Kamera zu schauen, dann aber weiter im Programm. Noch zwei Beobachtungskreise, keine weiteren Beanstandungen, dann die Pull-Sequenz. Ich finde den Griff sofort, aber da wir noch nicht auf 1500 sind, warte ich noch. Das kommt Jan komisch vor, aber die Lehrer schreiten nicht ein.

Öffnung ist super - nice pack job, der Hilfsschirm ist vorne um die Kappe geschlagen, aber der Trecker fliegt. Dafür höre ich zunächst kaum was über Funk. Die Windgeräusche sind ziemlich laut. Erstmal Griff in der Kombi verstauen, nicht daß da noch was schiefgeht. Mausi führt mch in S-Schlägen über Oscar, dafür daß soviel Wind ist , eigentlich recht nah an der Straße. Aber ich bin ja nur Schüler ... Das Tandem überholt mich. Dann der Endanflug. Halbe Bremse, durchziehen, der Schirm bleibt fast in der Luft stehen, ich hätte auf einer Palette Eiern landen können.

Schön war's, auch wenn viele denken mögen, das ist doch was ganz banales. Für mich war es eine Herausforderung und viele neue Eindrücke, genau das, was ich mir davon versprochen habe. Drei Videos gibt es zu schauen (Dank an das GoPro-Zeitalter), Alex hat auch ground footage gedreht. Kurzes Debriefing, denn das Tagesgeschäft wartet schon. Da war die Sache mit den zu kurzen Beinen, beim Durchgeben der Höhe soll ich unter dem Arm durchschauen (das ist im Vierer auch streng verboten), nicht drüber weg. Das mit der Pause vor dem Pullen wird auch kurz erwähnt, aber das Gesamturteil lautet: "Bestanden"! Na, da bin ich aber froh.

Vielan Dank noch mal an Aero, Mausi, Harry, Jan, Alex, Bernd, Hendrik und alle, die dabei waren.

30 Jahre Skydiver, Teil 1 (der Plan)

(17.Juni 2011)

Wir schreiben das Jahr 1981. Die Mauer steht noch für 8 Jahre, was damals aber noch niemand weiß, der Cowboy-Schauspieler Ronald Reagan wird Präsident der USA, und das erste Space Shuttle startet ins All.

Und Uwe wird Fallschirmspringer.

Genauer gesagt am 12.07.1981. Das Wort Skydiver war damals in Deutschland noch nicht verbreitet. Ebenso wenig gab es Freefly oder AFF oder Tandems. Als Schüler bekam man ca. 20 kg Ausrüstung umgehängt, von den legendären Springerstiefeln über die Brustreserve und der Rundkappe bis hin zum Motorradhelm. Wer's nicht glaubt: siehe Bilder

Der klassiche Werdegang eines zivilen Fallschirmspringers begann zunächst mal mit 10 Sprüngen an der Aufziehleine aus 600 m. Jawohl, 600 m, denn die Kolbenschüttler-Flugzeuge waren nicht gerade Steigwunder und es waren ja immerhin 200 m mehr als bei der Bundeswehr, wo also ist das Problem?

Wenn man dann die Mehrzahl der 10 Rundkappensprünge und den Scheingriff in stabiler Lage absolviert hatte, kam der erste manuelle Sprung. Immerhin schon aus 1000 m, falls man den Griff nicht gleich findet. Ein FXC Öffnungsautomat, sozusagen der Vorläufer des Cypres, sollte sowas wie Sicherheit vermitteln, daß ja nichts passieren kann. War auch das erfolgreich, ging es an die Höhenaufbausprünge - also genau anders rum als heute - jedes mal ein paar 100 m mehr, bis man dann bei 3000 oder 4000 m angelangt war. Dann noch zwei Prüfungssprünge für die Lizenz. Zu diesem Zeitpunkt hatte man noch nie jemanden im Freifall gesehen, aber die Ausbildung war damit beendet.

Zeit also, sich von der Brustreserve und der kaum steuerbaren Rundkappe (Bild unten rechts) zu trennen und auf "Gleiter" umzusteigen. Niemand hätte mich als stolzem Besitzer der Lizenz "212-NIBR" (den DFV gab es damals nämlich auch noch nicht) daran hindern können, mir die neueste Rennziege aus den USA zu bestellen, aber erstens wußte ich nicht Bescheid und bei uns im Verein mußte man zunächst mal den Zwischenschritt über den "Para Commander" machen, einer sogenannten Hochleistungsrundkappe, die eigentlich nur aus Schlitzen und Löchern bestand (siehe Bild unten links), was der Kappe sowas wie Vorwärtsfahrt und minimale Flare-Eigenschaften bescherte, die Landungen aber nur unwesentlich weicher machte. Also noch mal 30 Rundkappensprünge ... immerhin die letzten 10 schon mit Hand-Deploy, Kappen-Trennsystem und Rückenreserve.

Der Gleiter oder Flächenfallschirm, auch "Matratze" oder "ram air canopy" ganannt, auch sie tauchten Ende der 70er, Anfang der 80er im Fallschirmsport auf. Jedoch, man muß sich das nicht so vorstellen, daß da ein paar geniale Leute am Computer das optimale Profil, die Leinensätze und den Öffnungsvorgang berechnet haben und daraus ein zuverlässiges Produkt entstand. Die Zeit um 1980 war die Zeit der Garagenhof- und Keller-Experimentierstudios. Während sich heute die Kappen alle ziemlich ähnlich sehen, mußte dieser evolutionäre Prozeß damals erst noch beginnen. Das geschah dann auch, und die Auslese erfolgte meistens über Fehlöffnungen oder durch bei der Öffnung zerreißende Kappen oder über gänzlich flugunfähige Konstruktionen, deren Testflüge stets an der (Rundkappen-)Reserve endeten.

Für einen jungen Frischlizenzler war es also wichtig, den richtigen Ratgeber zu finden, denn zu kaufen gab es alles, ob es was taugte, mußte man meistens selbst herausfinden. In dieser Hinsicht hatte ich also Glück, denn frei nach dem anthropischen Prinzip ...

"Das anthropische Prinzip (von griechisch anthropos »Mensch«), besagt, dass das Universum, das wir beobachten, für die Entwicklung intelligenten Lebens geeignet sein muss, da wir andernfalls nicht hier sein, es beobachten und physikalisch beschreiben könnten." (Wikipedia)

... wäre ich nicht in der Lage, diese Zeilen zu schreiben, wenn es nicht einen Weg durch diesen Dschungel gegeben hätte, den man überleben kann.

30 Jahre später - die Mauer ist weg, ein Farbiger ist jetzt US-Präsident, und das Space Shuttle wird dieses Jahr ausgemustert. Heutzutage sind wir alle Skydiver, und die Art und Weise, die Zeit zwischen Absprung und Schirmöffnung zu überbrücken, ist vielfältig geworden: Freefly, Freestyle, Vertical RW, längst ist das Avantgardistische von einst, das Formationsspringen auf dem Bauch, ein Klassiker geworden, der zwar immer noch die größte Anhängerschar hat, aber von einigen mittlerweile auch despektierlich nur noch "Bauchfallerei" genannt wird.

Es ist bemerkenswert, wie dieser Sport sich verändert hat. Zu allererst natürlich das Material. Heutzutage schleppt man ca. 50% der Masse mit sich rum wie noch 1981, und die Schirme sind so zuverlässig, daß es Leute gibt, die tausende von Sprüngen keine Reserve haben. Flugrichtung und Gleitwinkel sind steuerbar (nicht jeder beherrscht es zwar, aber es geht!) und man kann mehr als 10 Sprünge am Tag machen, denn es gibt Turbinen-Antriebe an den Flugzeugen. Dazu gibt es Windtunnel, daher kaum noch eine Winterpause und zwischen dem fliegerischen Potenzial der Springer von heute und damals liegen Welten. Auf der WM 1981 in Florida wurden die Mannschaften der USA mit 11,6 Punkten im Schnitt Weltmeister im Vierer und mit 8,3 im Achter, während die deutsche Nationalmannschaft 5,7 bzw. 4,2 Punkte im Schnitt erreichte. Es waren trotzdem die Helden meiner Schüler-Zeit. Niemand konnte ihnen damals sagen, wie das eigentlich geht mit dem Formationen fliegen, so daß sie es überwiegend durch Ausprobieren heraus fanden.

Rundkappen kennt man heute nur noch bei der Bundeswehr, und wer heutzutage lernt, aus einem Flugzeug zu springen, tut das in Begleitung von zwei Lehrern und eines Kamera-Flyers. Da mir das ja nie vergönnt war, habe ich mir gedacht - das kann man ja nachholen! Ja klar, niemand wird diese Situation wieder herstellen können, in größerer Höhe (hoch genug zumindest, daß man einen Fallschirm braucht) an einer offenen Tür zu sitzen, noch niemals vorher geflogen geschweige denn gesprungen zu sein und sich dann auf ein paar zusammen genähte Nylongurte und Stoffbahnen zu verlassen. Dafür konnte man damals als Schüler eigentlich kaum was falsch machen - so eine Rundkappe geht immer auf, zur Not auch aus der Kopf- oder Rückenlage, mit Aufziehleine sowieso. Ein Schüler von heute hat Beobachtungskreise, Check-Höhen, Scheingriffe, Funk, Cut-Away-Systeme, und wer weiß was sonst noch und deshalb wollte ich das auch mal machen.

Das Ganze sollte natürlich am 12.Juli sein. Leider fällt der ja in diesem Jahr auf einen Dienstag. Wird in Calden an diesem Tag eine Maschine stehen? Wir überhaupt ein Load zustande kommen? Alles eine Frage der Absprache. Wie wird das Wetter sein? Das müssen wir abwarten. Zum Glück bin ich ja kein "echter" Schüler, kann also auch bei Wetterbedingungen springen, bei denen man die Schüler sonst heimschickt.

Aber ansonsten soll alles realistisch sein. Ausrüstung, Vorbereitung, und natürlich ein Debriefing. Ich habe mir vorgenommen, ein Musterschüler zu sein, wäre ja auch vermessen, den AFF-Examinern Jan und Harry einen einzuschenken zu versuchen. Nur einen rosa Helm will ich mir nicht verpasssen lassen.

Fortsetzung folgt, ein Erstspringer-Erlebnis mit dem Titel "Mein 8811. Sprung"

Norddeutsche Meisterschaft 2011

(06.Juni 2011)

Anders als im vergangenen Jahr war die Norddeutsche in Calden dieses Jahr unser erster Wettbewerb. Zwar waren zwei der Suspects (Bernd & Uwe) wieder im Tunnel in Bedford auf der Bodyflight World Challenge, allerdings mit Ersatz und ohne viel Training, dafür aber in der offenen Klasse, bei den ganz großen der Welt, die uns dann auch ordentlich zeigten, wo der Hammer hängt.

Doch zurück zur Norddeutschen. Verwöhnt von gutem Wetter konnten wir neben den sechs Tunnelstunden im Winter bis Himmelfahrt schon auf 74 Trainingssprünge zurück blicken, in Ampuriabrava und in Calden, davon allerdings nur 61 in Originalbesetzung. 13 mal insgesamt mußte verletzungsbedingt der Trainer einspringen, jedes mal mit geliehenem Gerät. Unvergeßlich der Sprung in Ampuria, nach dem er ohne fremde Hilfe nicht aus dem Gurtzeug kam, da ihm das System der Gurt-Bremse bei Bernds Next gänzlich unbekannt war ("How do I get out of this thing?").

Verletzungssorgen plagen das Team schon seit Saisonbeginn. Nachdem schließlich auch Uwe als einzig noch verbliebener schmerzfreier zum Himmelfahrtstraining mit einem Hexenschuß anreiste, waren dann also alle vier Team-Mitglieder offiziell verletzt. Der Trainer hatte sein Gurtzeug vorsichtshalber diesmal mitgebracht, aber alle bissen auf die Zähne und so machten wir Himmelfahrt und Freitag vor dem Wettberwerb noch mal 20 Sprünge.

Unser Trainer Luc Verstrepen (Team Hayabusa, Belgien), der auch Phos-4 betreute, hatte gleich noch seine Lebensgefährtin mitgebracht, Jurate Janusauskiene, die immerhin Präsidentin des Litauischen Fallschirmverbandes ist und dazu noch FAI-Schiedsrichterin. Zusammen mit Exi bildete sie das Weltklasse-Schiri-Gespann auf der diesjährigen Norddeutschen. Man kann sagen, dass sie keine Punkte verschenkt haben, man mußte sie sich verdienen! Einziges Entgegenkommen in Richtung der Teamns war, daß sie im Falle eines Judgement Calls (also einer Meinungsverschiedenheit) mangels eines dritten Schiedsrichters immer für das Team entschieden.

Detaillierte Ergebnisse und den Wettbewerbsverlauf aus Mausis Sicht könnt ihr auf der Wettbewerbs-Seite der Aero nachlesen. Mit unseren Ergebnis von 141 Punkten aus 10 Runden haben wir nun endlich den ersehnten 14er Schnitt geknackt, nachdem wir uns im vergangenen Jahr daran noch die Zähne ausgebissen haben. Nicht mal zwei Jahre nach der Aufnahme in den "Club 120+" fanden Katha, Andrea, und Bernd nun also Zugang zum noch elitäreren "Club 140+", in dem sich derzeit insgesamt erst 48 deutsche Fallschirmspringer befinden.

Die Auslosung - oft beschworen und noch öfter verflucht, hat sie doch durchaus einen Einfluß auf die vom Team gepostete und nach außen sichtbare Leistung. Es ist in der Szene ja durchaus nicht unumstritten, was ein schneller, langsamer, flüssiger, leichter, schwieriger Draw eigentlich ist. Das hängt wohl auch immer davon ab, wie man trainiert hat. Manchmal wird ja auch ein wenig schnell gejammert und es steckt dann vielleicht so ein wenig Understatement dahinter, falls es nicht klappt mit dem Ziel ...

Auffällig war eigentlich nur, daß kein herausragend schneller Sprung dabei war, der schon mal für sich allein einen um einen Punkt besseren Schnitt bringen kann. So fand sich dann auch am gesamten score board, selbst beim souveränen Sieger Final Four, nicht ein Sprung mit 20 Punkten oder mehr. Wer weiß was heraus gekommen wäre, wenn z.B. in Runde 10 statt Block 13 (der Block wird seiner Nummer durchaus gerecht ...) der Block 6 gewesen wäre. Unser Trainer, der ja auch schon auf etlichen Wettbewerben war, wurde jedenfalls nicht müde zu sagen, der draw sei "terrible". Andere Beobachter fanden das auch, aber Mausi z.B. fand ihn flüssig, und der hat ihn ja schließlich auch selbst gesprungen.

Bei uns im Team war die Meinung ebenfalls geteilt, aber da man es ja sowieso nicht ändern kann, haben wir alles daran gesetzt, unser Ziel dennoch zu erreichen und nicht zu jammern. Unterstützt durch die gute mentale Vorbereitung seitens unseres Trainers hat es dann ja auch geklappt. Auch weniger gute oder sagen wir ruhig schlechte Sprünge wurden so weggesteckt und der Blick stets nach vorne gerichtet. Der Kampf mit der 14 war eine 10 Runden lange Aufholjagd, und die Devise war demnach: nicht aufgeben. Eddi als FSZ Präsident lockte uns zusätzlich noch mit einer Runde Caipirinha auf seine Kosten für den Fall, daß wir 143 Punkte schaffen (warum eigentlich 143?), aber dafür hat es dieses mal leider nicht gereicht.

Wesentlich anstrengender als die Auslosung war das Wetter, eine schwüle Hitze forderte den Aktiven alles ab, und da waren wir dankbar, als Eddi am Samstag abend nach 7 Runden ein Einsehen hatte und den Wettbewerb unterbrach, obwohl es noch 2 Stunden bis Sunset waren. Da das Gewitter am Sonntag dann auf sich warten ließ, hatten wir auch die erhofften 10 Runden und alles war gut und alle zufrieden.

Die ultimative Erfüllung wäre gewesen, wenn sich auch das eine oder andere Intermediate- oder Einsteiger-Team eingefunden hätte. Das sollte sich mit Blickrichtung auf die Hessische Ende Juli unbedingt ändern, zumal wir ja einige davon im Verein haben. Wir (Aero und FSZ) werden dort auf jeden Fall für jede Klasse eine Auslosung anbieten und die Teams entsprechend betreuen. Wartet also nicht bis zur Deutschen, denn Wettkampferfahrung ist durch nichts zu ersetzen.


Der neue Block 13

(10.Februar 2011)

Wie lernt man eigentlich einen neuen Block? Einen, den nicht einmal der Trainer schon selbst geflogen hat? Wenn man nichts anderes hat als die schematische Zeichnung, die ihn aus Sicht der Schiedsrichter beschreibt?



Vor dieser Aufgabe standen die Usual Suspects und ihr Trainer Luc Verstrepen beim Tunnelcamp in Bottrop Anfang Februar. Der Block war ca. zwei Wochen alt, es gab die ersten Informationen aus den USA, die sich aber alle widersprachen. Airspeed dreht das Compressed rückwärts, die Golden Knights vorwärts, Drehung abkürzen oder nicht, Vertical ja oder nein? Wir mußten es also selbst heraus finden, aber das ist ja eigentlich immer so, da man ja eh seinen eigenen Stil finden muß, der zum Team und zum möglichen Trainingsaufwand paßt.

Zunächst also eine Analyse der Möglichkeiten, welche die Regeln zulassen. Das Compressed in der Mitte darf vorwärts oder rückwärts drehen, die Solos müssen eine 540er mit Start zum Zentrum hin machen und den piece partner wechseln. Das bedeutet für die Solos auf jeden Fall ein "blindes Finish", d.h. während sie am Ende der Drehung Blickkontakt über die eine Schulter halten, müssen sie das andere Bein, welches sie nicht sehen können, in die Hand des piece partners platzieren. Dreht das Compressed vorwärts, haben zumindest diese beiden den Solo im Blick, den sie "fangen" müssen, bei einer Rückwärtsdrehung ist auch für sie das finish blind, d.h. der zu greifende solo flyer kommt von hinten.

Kollisionsgefahr - wie wir dann schnell feststellten, gerade im Tunnel ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Es kommen dort, wo die Solos drehen, eben zweimal nacheinander Beine vorbei und im Falle der kleinsten Ungenauigkeit, d.h. Wanderung des Drehpunktes, gibt es sofort Kollisionen. Dieser Aspekt spricht dafür, das Compressed rückwärts drehen zu lassen, da in diesem Fall center piece und solos "coggen", d.h. zahnradartig drehen, was im Fall einer Kollision weniger weh tut und zudem geringere Auswirkungen auf die weitere Drehung hat. Man kann natürlich auch als Solo etwas oberhalb des Compressed drehen, was aber die Gefahr erhöht, oben drauf zu fallen.

Die wesentliche Frage war also zunächst einmal die Festlegung der Drehrichtung des Compressed. Mit der Rückwärtsdrehung kamen wir im Tunnel zumindest nicht gut klar, daher gibt es davon auch kein Video :-) Die blinden Phasen im Inter sind eben sehr lang und zudem vom Timing her ungünstig. Das "double blind finish" hat doch relativ oft zu Kollisionen und "Sandwiches" geführt.

Die Vorwärtsdrehung erwies sich als schneller und als präziser zu kontrollieren, obwohl schwieriger zu stoppen. Der bessere Blickkontakt erlaubt es dem Compressed, den Block zu steuern, so daß die Solos sich auf eine schnelle Drehung konzentrieren können. Um Kollisionen zu vermeiden, haben wir die Solos entgegen der Drehrichtung des Compressed versetzen lassen, Plan B war, wenn das auch nicht reicht, hoch zu gehen. Im Freifall wird das wahrscheinlich nicht nötig werden, zumindest dann, wenn man Blickkontakt hält.

Diese Methode klappte nach einigen Änderungen beim Random-Aufbau und der Koordinination der Drehungen immerhin schon so gut, daß wir uns getraut haben, den Block in eine richtige Sprungsequenz einzubauen (13,6,O - siehe Video)



Bleibt noch der Exit - wie zieht man eigentlich einen Offset aus der Otter? Nun, das immerhin hat Uwe vor über zehn Jahren schon gemacht, denn bis 1997 war der Offset ein Random im Vierer-Programm. Dieses Thema war natürlich im Tunnel erstmal nebensächlich. Wir werden in Spanien wieder darüber nachdenken und vielleicht gibt es dann ja auch schon genügend Ideen, die man kopieren kann.

Ausblick 2011:

(Januar 2011)

Die Saison 2011 hat für uns bereits im Dezember 2010 begonnen, mit einem "2-on-2" Tunnelcamp in Bedford bei Pete Allum und Steve Hamilton, beide britische Weltklassespringer mit 10000+ Sprüngen und hunderten von Tunnelstunden. Sie haben dabei abwechselnd jeweils einen von uns ersetzt (daher
"2-on-2") , so dass wir sozusagen unmittelbar, aus erster Hand und in der Luft von den Besten lernen konnten. Finanziert haben wir das Camp übrigens im Wesentlichen von der uns vergangenes Jahr zugestandenen FSZ Vereinsförderung für Teams, für die wir allen Mitgliedern nochmals herzlich danken. Ihr seht, wir haben es umgehend wieder "investiert".

Für 2011 mussten wir unsere Trainingsplanung allerdings etwas anpassen, da Andrea ab Mitte Februar zwei Monate dienstlich im Ausland verbringen wird. Zuvor werden wir in insgesamt noch zwei weiteren Tunnelcamps in Bottrop daran arbeiten, unsere Grundlagentechnik weiter zu verbessern und die neuen Blöcke 1 „Snowflake – Snowflake“ und 13 „Offset – Spinner“ zu lernen.

Das eigentliche Freiluft-Training beginnt dann erst Anfang Mai mit einem achttägigen Trainingscamp in Empuriabrava in Spanien, denn vorher - und das schließt die Aero-Reise nach Castellon leider ein - sind wir ja nur ein Dreier (siehe oben).

Danach bleiben wir heimatverbunden und sind mindestens einmal pro Monat in Calden. Let there be sun ... Für die Saison 2011 haben wir insgesamt 150 Trainingssprünge sowie die Teilnahme an der Norddeutschen und der Hessischen Meisterschaft in Calden geplant. Der Saisonhöhepunkt wird dann unser Heimspiel sein, die Deutschen Meisterschaft 2011 in Calden, auf die wir uns alle freuen.

Neben den gemeinsamen sportlichen Zielen, die wir haben, sind wir uns sicher, dass auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen wird und wir auch das ein oder andere Mal zusammen im Bistro gesichtet werden.

Natürlich stehen wir Euch in trainigsfreien Zeiten als RW- (dazu Erik auch als Video- und Zielsprung-) Instruktor für den Verein oder als Trainer für unsere Nachwuchsteams zur Verfügung.